Transistor durchgezockt !

Transistor durchgezockt !

Es gibt diese Games, mehr Kunst denn Spiel, die mit ihrem Setting und ihrer unkonventionellen Erzählstruktur die Fachpresse begeistern, jedoch nur einen geringen Teil der Spielerschaft erreichen können. Transistor gehört auf jeden Fall dazu.


Eine rothaarige Schönheit ohne Stimme, ein toter Mann, ein sprechendes Schwert… Transistor verschwendet keine Zeit mit einer Einleitung, sondern wirft den Spieler gleich unvermittelt ins Geschehen und lässt ihn vor allem zu Beginn doch recht verwirrt durch das Neo-Futuristische Cloudbank ziehen.
Warum ist die Welt wie ausgestorben, wer ist die Camerata, was ist deren Ziel, sind sie für den Prozess verantwortlich, der anscheinend für die Situation verantwortlich ist?
Transistor versucht von Anfang an die Welt als selbstverständlich darzustellen, gleichzeitig aber so mysteriös wie möglich zu wirken.
Die Story wird nach und nach aufgedröselt, indem man sich Puzzelstück, um Puzzelstück seine Geschichte aus verschiedensten Fragmenten zusammensucht, bis man am Ende das Gesamtbild erhält.
Die recht kyptische Erzählweise ist mitunter sehr reizvoll und schon irgendwie ganz clever gemacht, wirkt aber an vielen Stellen zu sehr gewollt und teils zu anspruchsvoll.

 

 

Ähnlich ergeht es dem Gameplay. Das Spiel lässt einem im Kampf mit den Robotergegnern des Prozesses in einer Mischung aus Echtzeit- und Rundenstrategie agieren, gibt hierzu aber kaum Hilfestellung.

Die Hauptprotagonistin Red greift hierbei auf verschiedene Funktionen zu, die alle höchst unterschiedliche Wirkungen haben und sowohl aktiv, passiv und unterstützend eingesetzt werden können. Man hat vier Slots für die aktiven Fähigkeiten, die wiederum mit jeweils zwei Funktionen verbunden werden können und vier weitere für passive Fähigkeiten. Funktionen, sowie Slots schaltet man mit Levelaufstiegen frei, genauso wie die Energieleiste, die einen erst befähigt einige Funktionen einsetzen zu können. Die aktiven Funktionen stellen gleichzeitig auch die Anzahl der Leben von Red dar, welche nach zu vielen gegnerischen Treffern überlasten, für das aktuelle Gefecht unbrauchbar werden und danach an Zugangspunkten erst nach einer gewissen Regenerationszeit wieder eingesetzt werden können.

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Phhhuuu… Klingt kompliziert? Ist es am Anfang auch! Bis man das Zusammenspiel der einzelnen Funktionen versteht und die für sich am besten spielbare Kombination findet, vergeht einiges an Zeit und man wird schon recht früh das ein um das andere Mal den Game Over Bildschirm sehen. Was auch mit den höchst unterschiedlichen Gegner zusammenhängt, die alle verschiedene Angriffe und Schwächen haben, welche erst herausgefunden werden müssen.
Wenn man jedoch erst einmal hinter das Kampfsystem gestiegen ist, offenbart sich einem eine enorm taktische Vielfalt. Vor allem wenn man das Spiel in die Rundenstrategie schaltet.
Der sogenannte „Turn“ hält das Spiel an und gibt einem die Möglichkeit seine Angriffe zu planen und gleichzeitig das Resultat angezeigt zu bekommen. Hierfür steht Red eine Leiste zur Verfügung, welche durch jede Handlung unterschiedlich gekürzt wird und einen nach Ausführung für eine gewisse Zeit schutzlos zurück lässt, bis diese wieder aufgeladen ist. Dieser taktische Part ist unglaublich durchdacht und wird gegen Ende essentiell, um Gegnern auszuweichen, Meuchelschaden zu verursachen und Kettenreaktionen hervorzurufen.
Kleiner Wehrmutstropfen, wenn man erstmal die „richtige“ Kombination herausgefunden, wird das Spiel an sich doch sehr einfach.
Da helfen auch die „Begrenzer“ nicht mehr, die man wahlweise einsetzten kann um bspw. Funktionen außer Kraft zu setzen, oder die Energieleiste zu minimieren.

Als kleine Herausforderung gibt es dann noch eine Art Hintertür, wo man unter verschiedenen Voraussetzungen, verschiedene Tests absolvieren kann um zusätzliche XP zu erhalten.

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Technisch hinterlässt Transistor einen sehr starken Eindruck. Das Setting und die Atmosphäre sind in der wundervoll dargestellten Welt herrlich eingefangen, die Animationen sind Butterweich und die Farbgebung grandios.
Der Soundtrack ist gelinde gesagt atemberaumbend und die englischen Sprecher machen einen sehr guten Job.

Insgesamt hatte ich viel Spaß mit Transistor. Mehr Arte denn RTL, stellenweise etwas zu prätentiös, ist es aber definitiv kein Spiel für jedermann. Die Story ist verschwurbelt bis zum geht nicht mehr, das Kampfsystem erfordert Einarbeitungszeit.
Wer aber mal etwas Anderes im Gamingbereich fernab des Mainstreams sucht, sollte definitiv einen Blick wagen. Und sei es nur um in die optisch und akkustisch wundervoll in Szene gesetzte Welt abzutauchen.